Wales: schöne Landschaften, schräge Dichter, schroffe Sounds

›Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch‹! Der Buch­stabensalat steht in Wales für eine Ortschaft mit Bahnhof. Der Länge wegen ist die Station im Guiness-Buch der Rekorde verzeichnet. Kinder verdienen sich bei Touristen ein paar Pennys, wenn sie das Buchstabendurchein­ander hörbar machen und vorlesen. Zwei von drei Bewohnern im walisischen Norden sprechen die Sprache. Damit ist Walisisch die Lebendigste unter den keltischen Sprachen.

Schöne Landschaften
Malerisch begegnet einem Wales am Stausee von Llanberis

Seit der Eroberung durch die Angelsachsen im 13. Jahrhundert war der Westen Britanniens lange Zeit wie eine Kolonie verwaltet worden. Die Waliser mussten als billige Arbeitskräfte in Schiefersteinbrüchen schuften. Trutzburgen, wie das Caernarfon Castle zeugen von dieser Geschichte ebenso wie der Union Rock. Der einsame Felsen bei Llanberis war zu Beginn des 20. Jahrhundert die einzige Möglichkeit für Bergleute ihre Gewerkschaftsver­sammlungen abzuhalten. Die englischen Lords hatten Versammlungen auf ihrem Land untersagt. Die walisische Sprache förderte den Zusammenhalt der Gewerkschafter und führte dazu, dass die Waliser – anders als Schotten und Iren – nicht in Scharen in die USA auswanderten.

Kreatives Wales
Kultur wird im ländlichen Wales groß geschrieben

Vital geblieben ist Gymraeg durch die unbändige Leidenschaft für Poesie, die in der walisischen Seele wohnt. Die Liebe auf das Reimen wird in Poesiewettstreits offenbart. Ende der 80er Jahre begannen junge Waliser – ganz unkonventionell – ihre Dicht­kunst unter schräge Gitarrenriffs zu legen. Ganz nebenbei bekam die Sprache dadurch ein modernes Gesicht.

Am 24. April war mein Beitrag im Sonntagsspaziergang im Deutschlandfunk zu hören

Das Archiv für postpetrolistische Techniken

Die Maschine sprotzt, dann tuckert sie noch einen Moment und geht aus. Pio Piotrowski versucht das Abwürgen des kleinen Blockheizkraftwerks, das sein Ökohaus mit Energie versorgt, zu verhindern. Es gelingt ihm nicht. Würde Pio heute nochmal vor die Wahl gestellt, er würde sich das Blockheizkraftwerk, das mit Biodiesel läuft und das jetzt, nach dem er ein paar Handgriffe getätigt hat, doch wieder anspringt, nicht mehr anschaffen. »Zu schwerfällig, zu teuer und zu wenig effizient« meint der Bauingenieur und macht die Sicherheitsabdeckung zu. Seit dreißig Jahren experimentiert der Franke mit erneuerbaren Energien und ökologischen Bauweisen. Das Haus produziert den Strom selbst, Abwasser fällt dagegen nicht an.

Archiv postpetrolistische Techniken
Die Piotrowskis im Garten

Pio sieht das Haus und das Stück Land daher als »Archiv postpetrolistischer Techniken«, wie er selbst sagt, »seit dreißig Jahren experimentieren wir. Daraus hat sich ein Erfahrungsschatz angehäuft«. Dabei schwört der ergraute Bauingineur auf Einsparpotenziale und effiziente Energienutzung, »eine tragfähige Wende hin zu erneuerbaren Energien«, so meint er, »lässt sich nur erreichen, wenn man Energie sparsam und intelligent einsetzt und auf lokale Lösungen baut«.

Der Beitrag war am 17.11.15 bei ‚Neugier genügt‘ auf WDR 5 zu hören

Zur Wahl in Bolivien 2014

Die Wiederwahl Evo Morales am 12. Oktober, dem Tag des indigenen Widerstands, war keine Überraschung gewesen. Allenfalls die Eindeutigkeit des Sieges kann ein Wimpernzucken rechtfertigen. Zu stark ist die Ausstrahlungskraft des ersten indigenen Präsidenten Lateinamerikas und zu zersplittert die Opposition. Mit sechzig Prozent kann Bruder Evo, wie ihn viele Bolivianer liebevoll nennen, nun in die dritte Amtszeit starten. Das klare Votum der Bolivianer für Evo Morales Ayma zeigt, dass sich der Andenstaat in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Das alte Parteiensystem der Republik spielt im neuen Machtgefüge zunehmend die Statistenrolle. Neue politische Akteure, Campesinos und indigene Völker, geben mehr und mehr den Ton an. Für sie ist Evo Morales unter allen Präsidentschaftskandidat die einzig wählbare Option. Hinter der Fassade knirscht es jedoch mächtig. Evo Morales ist lange nicht mehr so unumstritten, wie bei der letzten Wahl 2009, als er eine Zweidrittelmehrheit erringen konnte. Die skeptischen Stimmen in den eigenen Reihen haben deutlich zugenommen

Für den ORF produzierte ich für die Wahl einen Hintergrundbericht und Radio Lora aus München interviewte mich zur Wahl in Bolivien 2014:

Bioschokolade vom Feinsten

El Ceibo

Als vor vier Jahrzehnten sich eine Handvoll von Kakaoproduzenten aus dem Alto Beni zusammenschlossen, um Produktion und Vertrieb ihrer Bohnen besser zu organisieren, ging es zunächst darum, das eigene Überleben zu sichern. Heute hat sich das Unternehmen El Ceibo zum größten Produzent von Bioschokolade in Bolivien gemausert. 50 Kooperativen tragen das Unternehmen, das 2013 700 Tonnen Biokakaomasse herstellte. Zur Produktpalette des genossenschaftlichen Unternehmen gehören auch Gourmetschokoladen, wie die Fine Dark Salt Chocolate, die mit Salz aus dem Salzsee von Uyuni gemacht wird. 1300 Familien besitzen das Unternehmen, das neben Deutschland auch Frankreich, die USA und Japan mit Schokolade beliefert.

Auf Deutschlandfunk lief im Juni ein Unternehmensportrait von mir über El Ceibo:

Hier zum Anhören: Schokoladenproduktion in Bolivien. Ein Paradebeispiel demokratischer Wirtschaft

Tanz der Teufel – Karneval in Boliviens Bergarbeitermetropole Oruro

Der Teufelstanz in Bolivien

In 4000 Metern Höhe wiegen sich schaurige Teufelsmasken hinter den Blaskapellen in einem schweren Takt. In der fünften Jahreszeit gehören die Avenidas der Bergbaumetropole den gehörnten Narren. Karneval in Oruro, dass ist der Publikumsmagnet in Bolivien: Zig-Tausende wollen jedes Jahr das Spektakel sehen.

24 Stunden marschieren die verschiedenen Fraternidades auf: 17 verschiedene Tänze, Carporales, Morenadas oder Tinkus, werden von unzähligen Tanzgruppen dargeboten. Jeder Tanz ist ein Verweis auf den Synkretismus der in Bolivien unter der Herrschaft der Spanier entstand. Im Karneval verschmilzt die christlich-abendländische und die andine Kultur. Luzifer trägt auf den Straßen Oruros zwischen seinen Hörnern die Pachamama: Mutter Erde. Als Schlange oder Kröte lugt sie zwischen den furchteinflößenden Hörnern hervor.

Mein Beitrag auf BR 2 kulturWelt zum Karneval.