El Alto – Avantgardistisch-urbaner Höhepunkt Boliviens

„Wow, das ist hier anders!“ flüsterte mir eine Bekannte zu, als wir über den riesigen Markt der 16. Julio schlenderten. Sie war keineswegs unvertraut mit Lateinamerika. Gerade war sie von Boston über Panama, Kolumbien und Chile nach El Alto getingelt. Hier wich die Abgebrühtheit der Reisejournalistin einem ungläubigen Staunen. In El Alto blieb ihr die Luft weg und das lag keineswegs an den 4000 Höhenmeter, auf denen sich die Millionenmetropole befindet.

Tanz zu Ehren der Minenarbeiter
Marktplatz El Alto Vorstadt Tristesse in El Alto Chola B�¼rgertum

Wer sich nach El Alto begibt, dem stockt in jeder Hinsicht der Atem. Jeder Vergleich mit anderen urbanen Räumen, den man bemüht um die Stadt im bolivianischen Hochland zu begreifen, hinkt. In der Begegnung mit El Alto gerät man zwangsläufig ins grübeln: ist es ein Slum? eine indigene Stadt? Land und Stadt zugleich? Metropole? El Alto ist das alles zugleich. In der Ceja aus dessen Nachtclubs Chicha-Cumbia dröhnt und in der Nachtschwärmer im Morgengrauen auf das erwachende Marktgeschehen treffen, manifestiert sich die pulsierende Metropole, die niemals schläft. In den Märkten zeigt sich die wirtschaftliche Potenz und zugleich die Präsenz des ländlichen Raums. El Alto hat starke Beziehungen zu seinem Umland. Die Mehrzahl der Bewohner sind Aymara und Qechua. Die Dörfer am Titicacasee sind Teil des städtischen Lebens geblieben. El Alto ist zugleich ein Slum, die ärmste Stadt Boliviens. Noch immer prägen informelle Hinterhofökonomie, kleine Markststände und windschiefe Hütten weite Teile die Stadt.

Proteste El Alto
Protest Rush Hour Am Flughafen

Im 21. Jahrhundert hat sich El Alto auf dem Weg gemacht, seiner Rolle als Elendsviertel zu entschlüpfen. Das macht die Einzigartigkeit der Stadt aus. Denn als Elendsquartier ähnelt es vielen urbanen Gegenden Lateinamerikas. Aber keine hat es jemals geschafft zum Rolemodel für das ganze Land zu werden. 2003 verjagten die Alteños mit einem Aufstand den Präsidenten Gonzales Sanchez de Lozada. Die Stadt ebnete damit Evo Morales den Weg.

Der WDR sendete auf seinem 5. Programm (Neugier genügt!) mein Feature: Menschen gestalten ihre Stadt


Mein O-Ton-Feature über die Ereignisse im Krieg ums Erdgas 2003 in El Alto (Veröffentlicht bei ONDA)

Das O-Ton Feature auf Spanisch (Veröffentlicht bei Radio MATRACA)

Im Neuen Deutschland erschien von mir am 18.10.13 auf Seite Drei die Reportage: Am höchsten Punkt der lateinamerikanischen Revolution