Wales: schöne Landschaften, schräge Dichter, schroffe Sounds

›Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch‹! Der Buch­stabensalat steht in Wales für eine Ortschaft mit Bahnhof. Der Länge wegen ist die Station im Guiness-Buch der Rekorde verzeichnet. Kinder verdienen sich bei Touristen ein paar Pennys, wenn sie das Buchstabendurchein­ander hörbar machen und vorlesen. Zwei von drei Bewohnern im walisischen Norden sprechen die Sprache. Damit ist Walisisch die Lebendigste unter den keltischen Sprachen.

Schöne Landschaften
Malerisch begegnet einem Wales am Stausee von Llanberis

Seit der Eroberung durch die Angelsachsen im 13. Jahrhundert war der Westen Britanniens lange Zeit wie eine Kolonie verwaltet worden. Die Waliser mussten als billige Arbeitskräfte in Schiefersteinbrüchen schuften. Trutzburgen, wie das Caernarfon Castle zeugen von dieser Geschichte ebenso wie der Union Rock. Der einsame Felsen bei Llanberis war zu Beginn des 20. Jahrhundert die einzige Möglichkeit für Bergleute ihre Gewerkschaftsver­sammlungen abzuhalten. Die englischen Lords hatten Versammlungen auf ihrem Land untersagt. Die walisische Sprache förderte den Zusammenhalt der Gewerkschafter und führte dazu, dass die Waliser – anders als Schotten und Iren – nicht in Scharen in die USA auswanderten.

Kreatives Wales
Kultur wird im ländlichen Wales groß geschrieben

Vital geblieben ist Gymraeg durch die unbändige Leidenschaft für Poesie, die in der walisischen Seele wohnt. Die Liebe auf das Reimen wird in Poesiewettstreits offenbart. Ende der 80er Jahre begannen junge Waliser – ganz unkonventionell – ihre Dicht­kunst unter schräge Gitarrenriffs zu legen. Ganz nebenbei bekam die Sprache dadurch ein modernes Gesicht.

Am 24. April war mein Beitrag im Sonntagsspaziergang im Deutschlandfunk zu hören