Brücken bauen auf der Bühne

Sylvia Fernandez ist weiß und Choreografin für modernen Tanz. Iván Nogales hat eine dunkle Hautfarbe und leitet ein Theater in El Alto. Wegen seiner indigenen Herkunft erlebte Nogales bereits als Kind Tag für Tag Diskriminierung und Ausgrenzung. Sylvia Fernandez kennt die Geschichte von der anderen Seite. Als sie ein Mädchen war, wollte ihre Familie nicht, dass sie mit Indios spielt. In ihren Bühnenarbeiten setzen sich beide auf ihre Weise mit dem kolonialen Erbe im modernen Bolivien auseinander.

Mein Feature bei Tandem (SWR 2) über zwei ungewöhnliche KünstlerInnen in Bolivien vor dem Hintergrund des Wandels.

El Alto – Avantgardistisch-urbaner Höhepunkt Boliviens

„Wow, das ist hier anders!“ flüsterte mir eine Bekannte zu, als wir über den riesigen Markt der 16. Julio schlenderten. Sie war keineswegs unvertraut mit Lateinamerika. Gerade war sie von Boston über Panama, Kolumbien und Chile nach El Alto getingelt. Hier wich die Abgebrühtheit der Reisejournalistin einem ungläubigen Staunen. In El Alto blieb ihr die Luft weg und das lag keineswegs an den 4000 Höhenmeter, auf denen sich die Millionenmetropole befindet.

Tanz zu Ehren der Minenarbeiter
Marktplatz El Alto Vorstadt Tristesse in El Alto Chola B�¼rgertum

Wer sich nach El Alto begibt, dem stockt in jeder Hinsicht der Atem. Jeder Vergleich mit anderen urbanen Räumen, den man bemüht um die Stadt im bolivianischen Hochland zu begreifen, hinkt. In der Begegnung mit El Alto gerät man zwangsläufig ins grübeln: ist es ein Slum? eine indigene Stadt? Land und Stadt zugleich? Metropole? El Alto ist das alles zugleich. In der Ceja aus dessen Nachtclubs Chicha-Cumbia dröhnt und in der Nachtschwärmer im Morgengrauen auf das erwachende Marktgeschehen treffen, manifestiert sich die pulsierende Metropole, die niemals schläft. In den Märkten zeigt sich die wirtschaftliche Potenz und zugleich die Präsenz des ländlichen Raums. El Alto hat starke Beziehungen zu seinem Umland. Die Mehrzahl der Bewohner sind Aymara und Qechua. Die Dörfer am Titicacasee sind Teil des städtischen Lebens geblieben. El Alto ist zugleich ein Slum, die ärmste Stadt Boliviens. Noch immer prägen informelle Hinterhofökonomie, kleine Markststände und windschiefe Hütten weite Teile die Stadt.

Proteste El Alto
Protest Rush Hour Am Flughafen

Im 21. Jahrhundert hat sich El Alto auf dem Weg gemacht, seiner Rolle als Elendsviertel zu entschlüpfen. Das macht die Einzigartigkeit der Stadt aus. Denn als Elendsquartier ähnelt es vielen urbanen Gegenden Lateinamerikas. Aber keine hat es jemals geschafft zum Rolemodel für das ganze Land zu werden. 2003 verjagten die Alteños mit einem Aufstand den Präsidenten Gonzales Sanchez de Lozada. Die Stadt ebnete damit Evo Morales den Weg.

Der WDR sendete auf seinem 5. Programm (Neugier genügt!) mein Feature: Menschen gestalten ihre Stadt


Mein O-Ton-Feature über die Ereignisse im Krieg ums Erdgas 2003 in El Alto (Veröffentlicht bei ONDA)

Das O-Ton Feature auf Spanisch (Veröffentlicht bei Radio MATRACA)

Im Neuen Deutschland erschien von mir am 18.10.13 auf Seite Drei die Reportage: Am höchsten Punkt der lateinamerikanischen Revolution

Mangelware für die Armen

Vor 13 Jahren stoppte ein breites Bündnis von Bürgern in Cochabamba die Privatisierung der Wasserversorgung. Die Regierung versprach mehr Beteiligung und Wasser für alle. Die Einwohner im Süden der Stadt haben das Warten darauf inzwischen satt.

Am Platz der Flaggen, der „Plaza de Banderas“, versprüht Cochabamba den Charme einer modernen Großstadt. Im Geschäftsviertel der drittgrößten Stadt Boliviens deutet nichts darauf hin, dass man sich im ärmsten Land Südamerikas befindet. Vans und Limousinen schieben sich durch den Kreisverkehr, der mit Fahnen aus aller Herren Länder geschmückt ist. Moderne Bürogebäude umsäumen den Platz, an der Ecke thront ein Multiplex Kinocenter. Hier sind alle Haushalte an das Netz des lokalen Wasserversorgers SEMAPA angeschlossen. Das lebenswichtige Nass kommt zuverlässig aus dem Hahn, Tag und Nacht.

Nur wenige Kilometer südlich ändert sich das Bild. Plätze und Straßen in der „Zona Sur“ sind staubig und mit Schlaglöchern übersät. Die Häuser schmiegen sich windschief an die in rote Erde getauchten Hügel. In diesem Teil von Cochabamba, der in den vergangenen Jahrzehnten infolge der Landflucht entstanden ist, gehört der Mangel an Wasser zum Alltag. In vielen Barrios der Zona Sur gibt es bis heute kein fließendes Wasser, die Bevölkerung wird mit Tanklastern versorgt. Sie kommen nur unregelmäßig und das Wasser, das sie für viel Geld verkaufen, ist nicht zum Trinken geeignet. „Das Wasser, das wir von den Tanklastern bekommen, ist verschmutzt und mit Bakterien durchsetzt“, berichtet Luis Patiño vom lokalen Wasserkomitee von Mineros.

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Erschienen in: Welt-Sichten

Mhhh, lecker!? Über gutes Essen und das Sattwerden

Begegnung auf Sansibar

Julio kommt aus El Alto, Bolivien. Bei ihm zuhause wird die Kartoffel seit Jahrtausenden in vielen Variationen angebaut. Luisa kommt aus Deutschland. Hier hat Preußens Soldatenkönig Fritz vor 300 Jahren die Kartoffel aus Bolivien heimisch gemacht. Im Juni besuchen der Schüler aus Bolivien und die junge Brandenburgerin Sansibar. Eingeladen haben sie Azaluu und Farhat. Sie leben mit ihren Familien auf der sagenhaften Gewürzinsel im indischen Ozean, auf der Gewürznelken, Zimt und Pfeffer zuhause sind.

Sansibar, ist die Kulisse einer Jugendbegegnung der politisch-kulinarischen Art. Schüler aus Bolivien, Tansania und Deutschland erkunden Speisepläne, spüren der Ernährungssituation auf Sansibar, Bolivien und Deutschland nach und tauschen sich über ihre Erfahrungen zum Essen aus. Ein Ergebnis: während für die deutschen Mädchen ihr Essen aus dem Supermarkt bekommen, kaufen die Kids auf Sansibar und in Bolivien ihr Essen auf dem Markt oder bauen es selbst an.

Markt auf Sansibar

Bei der Begegnung auf der Insel im Indischen Ozean erzählen die Kinder von ihren Lieblingsspeisen, den kulinarischen Besonderheiten ihrer Heimat und wie das tägliche Brot bei ihnen so auf den Tisch kommt. Es ist eine Reise in die Welt der Gerüche und Geschmäcker mit einem ernsten Hintergrund: Noch immer sterben täglich 18.000 Kinder an den Folgen der Unterernährung.

Feature für Kakadu (Radio für Kinder bei Deutschlandradio Kultur)

Die Recherche zu diesem Beitrag wurde vom Evangelischen Entwicklungsdienst unterstützt.